Only Death

01.03.2017

Doch ich nahm eine kleinen Umweg, machte noch einen Spaziergang an der Seine entlang. Ich mochte den Fluss. Er war ruhig und eine der wichtigsten Lebensadern von Paris. Denn auf ihr trafen viele Güter in der Stadt ein, auch ein Teil unserer Stoffe. Es machte mir auch immer Freude, wenn mein Herr mich mitnahm, um die Waren zu holen, das bunte Treiben am Hafen war stets einen Blick wert.

Und nachts waren hier viele Artisten unterwegs. Tänzer, Gaukler und anderes fahrendes Volk. Ich setzte mich auf eine der Brüstungen und beobachtete die Leute. Auch ließ ich die warme Abendluft durch meine Kleider und meine Haare blasen, es erfüllte mich immer mit einer tiefen Ruhe.

Langsam ertönte Musik und der Platz füllte sich mit mehr Menschen. Pärchen und anderen Leuten, die einfach Spaß haben wollten. Immer mehr Menschen begannen nun zu tanzen und ich sah ihnen zu.

Ich selbst war zu ungeschickt und nicht gelenkig genug, um mitzumachen. Und viele waren wohl von meiner schroffen Art abgeschreckt, aber ich war einfach nicht der gesprächige Typ.

Ich lehnte mich gerade ein wenig zurück, um die Musik zu genießen, als mir ein roter Haarschopf ins Auge fiel. Vorsichtig richtete ich mich auf, um einen besseren Blick zu bekommen.

Das helle Haar gehörte zu einem jungen Mann. Er bewegte sich am Rand der Menge, beobachtete die Menschen und die anderen Tänzer. Jeden Schritt den er machte war bereits ein kleiner Tanz für sich.

Seine Bewegungen waren elegant und voller Leidenschaft.

Der Junge blieb im Hintergrund, bis eine der Frauen ihn bemerkte und ihn zu sich nach vorn in die Mitte holte. Sie unterhielten sich kurz, ehe sie anfingen zu tanzen.

Und ich war mir sicher, dass ich nicht der Einzige war, der von ihnen gefangen war. Ihre Bewegungen waren fließend, als ob sie das schon immer zusammen gemacht hatten. Der Rhythmus des Jungen lag genau auf der Musik. Die Streckung seiner Arme und Beine war perfekt, immer auf Spannung.

Mittlerweile saß ich wieder aufrecht, rutschte langsam von der Mauer, ging vorsichtig durch die Menschen vor mir, doch immer darauf bedacht im Schatten zu bleiben. Ich wollte schließlich nicht auffallen, während ich mir einen besseren Platz suchte.

Der Junge tanzte noch immer mit dem Mädchen und ihre Zuschauer wurden auch immer mehr.

Jetzt konnte ich ihn auch ein bisschen besser erkennen. Er trug ein Hemd, dass ihm ein wenig zu groß war und eine dunkle Hose, die mit Hosenträgern befestigt war. Seine Stiefel wirkten bereits ein wenig abgetragen, aber das machte es ihm wohl leichter, sich damit zu bewegen.

Der Rothaarige wirbelte seine Partnerin gerade durch die Luft und fing sie geschickt wieder auf, was ihnen viel Applaus einbrachte.

Doch ich konnte sie leider nicht länger beobachten, da ich am nächsten Morgen früh raus musste. Ich stieß mich von der Wand ab, schob meine Hände in die Tasche und machte mich auf den Weg zu meiner kleinen Wohnung.

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